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    <title>Wolfgang Grahl portraitiert Menschen</title>
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    <description>Wolfgang Grahl (Foto), Journalist und Buchautor, stellt in seinem GRAHL-REPORT Menschen vor, die in Rostock und darüber hinaus Spuren hinterlassen haben. Immer mit originellen Aufnahmen und Grafiken illustriert - ganz im Sinne des Online Journals „Über das Foto zur Geschichte”. Darunter ist viel Biographisches, aber auch ganz großes Kopfkino.&lt;br/&gt;Da kann man nur noch sagen: Weiterlesen ...</description>
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      <title>Heute schwerbehindert und auf Hilfe angewiesen</title>
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      <pubDate>Tue, 7 Jun 2011 08:40:32 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2011/6/7_Heute_schwerbehindert_und_auf_Hilfe_angewiesen_files/wolfgang_monika_grahl_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object002_1.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:287px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Nichts ist mehr so, wie es mal war, für Wolfgang Grahl (62) und seine Familie. Die Sprache, das wichtigste Werkzeug eines Journalisten, ist dem bekannten Rostocker Nachrichtenredakteur (&lt;a href=&quot;../News/Eintrage/2010/10/1_Zwei_Journalisten_ziehen_in_einer_Einheitsreportage_Bilanz.html&quot;&gt;tv.rostock&lt;/a&gt;) und Buchautor (&lt;a href=&quot;../News/Eintrage/2009/8/10_Buchvorstellung.html&quot;&gt;Stars auf Rügen&lt;/a&gt;) genommen worden. Seit dem Unfall ist er gelähmt. Er kann nicht mehr Sprechen, Schreiben, Stehen, Laufen und Radfahren. Trotz intensiv therapeutischer Maßnahmen in Kliniken und Spezialpflegeeinrichtungen hat ihn der Sturz in der Wohnung vor acht Monaten zu einem Pflegebedürftigen gemacht. Damit ist die Familie, die sich aufopferungsvoll und geduldig um ihn kümmert, auch organisatorisch und finanziell gefordert. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Arbeitskollegen und Freunde, darunter Pistor, Richter, Schnauer, Gehrke, Harder, Hartig und Herzog, bringen Ehefrau Monika mit dem Auto zu Wolfgang. So kann sie ihm mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung geben. Und es gibt Fortschritte, dank der Therapeuten und der Besucher. Das linke Bein und den linken Arm kann er schon bewegen, nimmt an Gewicht zu, auch mit der Körpersprache geht es voran. Ab Juli wird er in einem Rostocker Pflegewohnheim wohnen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wie es mit dem „Grahl-Report“ hier weiter gehen wird, ist noch offen. Wahrscheinlich bleibt nur die Möglichkeit, diese Rubrik zu archivieren. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Roland Hartig &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;E-Mail: roland[at]foto-hartig[dot]de &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ersetzen Sie bitte das [at] mit dem @Zeichen und &lt;br/&gt;das [dot] mit dem Punkt auf der Tastatur. &lt;br/&gt;</description>
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      <title>Die Scherben von Sankt Jakobi</title>
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      <pubDate>Fri, 3 Sep 2010 00:11:09 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2010/9/3_Die_Scherben_von_Sankt_Jakobi_files/01_walter_kempowski_rostock_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object008_1.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:287px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Karl-Friedrich Schippmann und Walter Kempowski – das sind zwei deutsche Leben. Parallelen und Gegenströme. Geteilte Biografien unter dem geteilten Himmel. Und es sind Wege, die erst spät wieder aufeinander treffen. Zwei deutsche Biografien.&lt;br/&gt;Das Parallele: Geburtsort Rostock, Jahrgang 1929, dieselben Bildungsorte und Kindheitserlebnisse: Sieben-Linden-Schule und darauf folgend das Goethegymnasium; Drill in der Hitlerjugend, Chorsingen und Theaterspiel. Letztes Aufgebot der braunen Barbaren. Kein Kind mehr und noch kein Mann, mit 15 Luftwaffenkurier. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Gegenströme: Walter Kempowski – aus dem Nachkriegs-Rostock ausgezogen – kommt während seiner Kaufmannslehre, die er in der Westzone absolviert, 1948 auf Besuch in die Heimatstadt an der Warnow – da fassen ihn die Häscher des sowjetischen Geheimdienstes NKWD. Spionage, lautet der konstruierte Vorwurf. Es werden acht qualvolle Jahre im berüchtigten Zuchthaus Bautzen; 1956 wird er vorzeitig entlassen, geht gen Westen. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Gleicher Zeitablauf, Ost. Karl-Friedrich Schippmann macht 1949 in Rostock sein Abitur. Das Studium der Germanistik und Anglistik in Rostock und Greifswald schließt sich an. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;West: Kempowski holt in der Freiheit sein Abi in Göttingen nach, wird Dorfschullehrer im niedersächsischen Nartum. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schippmann unterrichtet zuerst in Rövershagen, dann folgt seine lange Zeit als beliebter Lehrer an der Herder-EOS Rostock von 1955 bis 1986. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Kempowski schreibt sich sein Hafttrauma von der Seele: „Der Block“. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schippmann schreibt Zensuren und sammelt Geschichte. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Auch wenn sich die Gesichter nicht mehr begegnen, bleibt vieles bewahrt. Karl-Friedrich Schippmann: „Es gab eine innere Verbindung, die aber unter sozialistischen Verhältnissen nicht wirklich realisierbar war. Wir hatten keinen Kontakt, weil ich Angst hatte, mit einem so genannten Feind der DDR zu korrespondieren. Und deshalb gab es einen Umweg über das westdeutsche Glückstadt. Da war ein Schulfreund von mir.“ Briefe gehen von West nach Ost und umgekehrt. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Walter Kempowski war und blieb sein Leben lang Rostocker, seine Wurzeln lassen ihn nicht los. &lt;br/&gt;Die hohe Kunst der Autobiografie mit dem Hintergrund Rostock und doch exemplarisch für das zerrissene Deutschland: Die Romane „Tadellöser und Wolff“, „Uns geht’s ja noch gold“, „Herzlich willkommen“. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Verfilmung von Kempowskis Chronik der Deutschen 1975 bringt den Durchbruch. Der Autor ist in vieler Munde. Bis auf einige DDR-Insider aber nur in der Bundesrepublik. Sein Werk wird vom Realstalinismus verschwiegen, zu klar und ehrlich beschreibt er neben der Schuld der Kriegsdeutschen den Frevel der Sowjetsieger, zu unmissverständlich bekennt er sich zur bürgerlichen Ordnung. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Lehrer Schippmann und Lehrerin Anne-Luise Schippmann mit Westkontakten? Ein Unding in der geschlossenen Gesellschaft DDR. Und doch: Ein Buch kommt an …&lt;br/&gt;Karl-Friedrich Schippmann: „Es war ein Westpaket, wie es damals hieß. Und darin war in Backfolie eingewickelt ,Tadellöser &amp;amp; Wolff’. Sofort fing ich an zu lesen und merkte – das könnte auch meine Kindheit gewesen sein: Die Lehrer, die kannte ich doch alle, und ich wusste, wie sie in Wirklichkeit hießen, denn im Buch sind die Namen alle etwas verändert. Und dann stellte sich auch noch heraus, dass ein Mädchen, in das sich Walter Kempowski verguckt hatte – die Köster mit der Innenrolle – jenes Mädchen war, das wir beide kennenlernen wollten.“ &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Buch folgt auf Buch. Kempowski wird ein hochproduktiver Erzähler und Romancier; das Gedächtnis einer Epoche. Er wird mehr und mehr der Chronist deutscher Realität und Befindlichkeit. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;1989: Friedliche Revolution, Aufbruch in der DDR, die Implosion des Bonzen-Systems, die ersehnte Wiedervereinigung, Kempowskis Wiedersehen mit Rostock, in seinem Buch „Hamit“ und anderen hat er es festgehalten. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ein handschriftlicher Brief von Schulfreund „Schippi“ an „Kempi“. Und dann das Wiedersehen nach dieser Ewigkeit. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die schöne Folgewirkung für Rostock: Anne-Luise und Karl-Friedrich Schippmann bauen das Kempowski-Archiv des Universalsammlers in einem Haus im Klosterhof auf – erst geduldet, dann gemocht, und später sogar mit Hilfe der Hansestadt. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Der menschliche Kontakt zu Walter und Hildegard Kempowski lässt viele Episoden wieder wach werden. Karl-Friedrich Schippmann erinnert sich: „Getrennt voneinander sind Walter Kempowski und ich einmal durch die von Bomben getroffene Jakobikirche geklettert. Sie war ja schon mitten im Krieg eine Ruine. Da kam man, was streng verboten war, an die Glasscheiben heran, und da hab ich mir in Erinnerung an Sankt Jakobi eine Scherbe mitgenommen, die ich bis heute verwahre. Als Kempi dann nach der Wende zu uns kam, da sagte ich ihm: Hier in das Buch von Tadellöser &amp;amp; Wolff habe ich die seltene Scherbe geklebt. Ich trenne sie durch und du bekommst die Hälfte davon ab. Er lehnte ab. Kurze Zeit später, als wir dann bei ihm in seinem Haus in Natrum zu Gast waren, stellte sich heraus – er hat einen ganzen Karton mit Scherben der Jakobikirche.“ &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Kempowski und Schippmann, zwei deutsche Leben, die die Wiedervereinigung wieder vereint hat. Ein personifizierter Glücksfall der Geschichte. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Als am 5. Oktober 2007 Kempowski 78-jährig einem Krebsleiden erlag – das war ein schlimmer Tag für seinen Schulfreund Schippmann. Doch der Tiefenmesser zwischen Geschichte und Gegenwart behält seine feste Heimat im Herzen der Familie Schippmann und der ganzen Nation. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Pawel Pawlitzki</title>
      <link>http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2010/7/30_Pawel_Pawlitzki.html</link>
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      <pubDate>Fri, 30 Jul 2010 17:48:54 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2010/7/30_Pawel_Pawlitzki_files/original_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object009_2.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:295px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Drehbuch zum Film: Pawel Pawlitzki - Leben und Tod eines Künstlers (TV.Rostock)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Lied: „Pawel – nächstes Mal machst du es besser; Pawel, voller Witz und noch viel kesser...“; beide gesungenen Strophen, dann instrumental weiterlaufen lassen in der kurzen O-Töne hinein.&lt;br/&gt;(dazu Himmel über Basse; Schwenk auf seinen Weg; dann Abrollen der Filmsequenz in sein Gesicht hinein; zuerst Kopf, Stirn, dann lange Bart...)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;O-Töne: (Musik instrumental läuft leiser werdend weiter)&lt;br/&gt;Helga Manowski: Pawel war ein Schlitzohr... (langsam auf Schwarzbild auslaufen lassen)&lt;br/&gt;Kurt Wiede: Ich war damals im Atelier ... (langsam auf Schwarzbild)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Sprecher:&lt;br/&gt;Hier hast du gelebt (Basse) – und hier (Groß Klein).&lt;br/&gt;Hab dich lachen (Porträtfoto) und weinen gesehn (einsam im Kunstsalon). Lebenslust und Abschied.&lt;br/&gt;Deine Pole waren kalt und heiß.  &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Manche haben einen großen Bogen um dich gemacht, andere suchten deine Nähe.&lt;br/&gt;Du warst Provokateur.&lt;br/&gt;Immerzu provozieren.&lt;br/&gt;Ein Leben lang.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Einmal hast du Deine Genossen wegen ihrer falschen Zungen mit einem Lenin-Zitat reingelegt, da waren es dann nicht mehr „deine Genossen“ – sie haben dich aus „der Partei“ geschmissen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Porträtfoto, dann runterlaufen lassen auf den langen Bart, auffangen in ähnlichem Weiß-Grau einer Malerei)&lt;br/&gt;Lang dein Bart und lang deine Geschichten – Ideengeburten und Phantastereien.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Filmsequenzen bei einem Pleinair von 1991– er beim Malen) &lt;br/&gt;Zeichenstift und Pinselschwung – Malerei und Grafik hatte einen – deinen Charakter. Ausbildet an der Kunsthochschule Dresden hast du schnell deinen Stil gefunden.&lt;br/&gt;(Malereien, filmisch durchwandern&lt;br/&gt;Musik: weitere Instrumental-Strophen)&lt;br/&gt;Unentwegt diffuse Landschaften, die alle mit dir und zumeist mit deinem Lebensort im Mecklenburgischen Basse – einem Flecken Erde bei Gnoien – zu tun hatten; aber auch Stürzendes; etwas, das hinab fiel, verging und sich erneuerte: Wasser. Leben. Leiden. Erfahrung.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Altes wird zu Neuem. Neues alt.&lt;br/&gt;(Metallmalereibild)&lt;br/&gt;Vom Schrotthändler hast du Metallplatten erbettelt oder geklaut, deine Spuren reingeritzt, bemalt – verätzte Substanzen – Metallbilder.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Filmfahrt beginnt ins Dorf; Musik setzt wieder ein)&lt;br/&gt;Du hast getrunken, zumeist in Maßen, Bier, mal ´nen Schnaps.&lt;br/&gt;In deinem Dörfchen Basse und ringsum konntest du mit Freunden und Zweckfreundschaften all die Jahre damit umgehen, die Trinkerei hat dir nicht geschadet.&lt;br/&gt;Elixier für deine Magie.&lt;br/&gt;Ein langer Bart.&lt;br/&gt;Basse – all die langen Sommer lang, der Herbst, die Winter.&lt;br/&gt;(vom neuen Film zum Foto, auf dem er mit Pelzmütze radelt.) &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Fotos mit Leuten, so vor der Mecklenburgischen Volks-Zeitung, ein Geburtstag 1999 und seine eigene Ateliereröffnung 2004)&lt;br/&gt;Immerzu Gesellschaft, und wenn Gesellschaft nicht kam, bist du zu ihr gegangen. Immer mittendrin. Immer provozieren.&lt;br/&gt;All das mag deiner „Chansonette“, wie du sie nanntest, nach dem immer sich wiederholenden Kreislaufprinzip gestört und missfallen, aber dann auch empört haben. Unvermeidlicher Kollaps.&lt;br/&gt;(alte Fotos, schwarz-weiß, dann farbige, dann wieder heutiger Film, von Duckwitz aus, See bei Basse)&lt;br/&gt;Denn das Dach war undicht, die Scheune – eine Ruine. Kein Geld. Reden, schreien, Krach. Vielleicht wurde Liebe Hass.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Basse, den Weg hinab und dann leicht hinauf, sogar mit Kirche und Pfarrhaus ausgestattet, das Gutshaus Duckwitz auf der anderen Seite des Sees – jahrzehntelang dein Radius.&lt;br/&gt;Im Leben mit deiner „Chansonette“ hast du gemalt, gedichtet, Objekte und Projekte ersonnen – die große Welt, der kleine Ort – es war dein Epizentrum. &lt;br/&gt;(Porträtfoto – Übergang Malerei) &lt;br/&gt;Ein langer Bart.&lt;br/&gt;Du Maler.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Geboren 1942 in Senftenberg, hatte es dich Ende der 1970-er Jahre ins Mecklenburgische verschlagen. &lt;br/&gt;(Fotos: er liest, rezitiert)&lt;br/&gt;Du hast Geschichten – halb wahr, halb Lüge – im Leben gefunden, zugespitzt und sie von deiner Kunstfigur „Harald Keim“, der du selber warst, erzählen lassen.&lt;br/&gt;(Stadtarchiv Rostock aus der Mecklenburgischen Volks-Zeitung von 1990 mit Texten des Harald Keim)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In der Mecklenburgischen Volks-Zeitung von 1990 findet sich ein Teil deiner tollen Texte. (einige etwas stehen lassen)&lt;br/&gt;Hast deinen Spott ausgeschüttet über die Handwerkermafia in einer DDR-Kleinstadt (Text aus der Zeitung länger stehenlassen), und bist später über die Wessis hergefallen, die du nach Vollendung ihrer Aufbauhilfe aus den „blühenden Landschaften des Ostens“ wieder verabschieden wolltest.&lt;br/&gt;Die menschliche Ebene der deutschen Einheit hast du vor allen in ihren auch absurden Zügen zu gern auf die Schippe genommen.&lt;br/&gt;Du Politclown.&lt;br/&gt;(Film, Zeitung im Stadtarchiv, und die Bänder verschwinden wieder im Regal)&lt;br/&gt;Kein billiger Schrott.&lt;br/&gt;Pawel paradox, Pawel parabelhaft.&lt;br/&gt;Provokateur.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Sogar ein „Harald-Keim-Institut“ entstand – auf dem Papier ... Es blieb so vieles nur Papier, Hirngespinst – dir fehlte ein Manager.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Film vom Pleinair)&lt;br/&gt;Auf einen Pleinair im Oktober 1991 in deiner mecklenburgischen Gegend in Aktion bei Aktionskunst – dein Element, sich zu messen und dabei manchmal auch vermessen zu sein; bisschen großkotzig.&lt;br/&gt;Zeitlebende Gratwanderung zwischen Witz und Wert, zwischen Provokation und Projekt – alles floss ineinander.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In die Künstlerbegegnung hast du dich eingebracht, aber schon mit einer Skepsis wohl auch wegen der Scharlatanerie – dabei warst du selbst ein Filou.&lt;br/&gt;(O-Ton Pawel komplett, gut hörbar hochziehen, den Satz „Ich glaub nicht, dass ich hierbleiben werde.“) &lt;br/&gt; &lt;br/&gt;(Fotos Kunsthalle 1996)&lt;br/&gt;Eine kleine Ausstellung im Café der Kunsthalle Rostock – 1996 – das hast du wie eine Performance gestaltet, etwas über deine Verhältnisse als Künstler hinaus, aber doch ein Knaller – originell und original: Pawel Pawlitzki.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Kreativgeist, aber keine Koryphäe. Kein Malerstar, und doch so universell, so einmalig:&lt;br/&gt;Der Satirikus, der alles Spießige hasst. (Texte aus dem Stadtarchiv)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Der Wortakrobat, der Rezitator – liebevoller Streithammel.&lt;br/&gt;(Fotos: er rezitiert)&lt;br/&gt;Der Maler.&lt;br/&gt;Ein langer Bart.&lt;br/&gt;(mit dem Motiv spielen: langer Bart und Malerei, dann Strohmiete Basse)&lt;br/&gt;(Dramatisches Instrumental aus dem Lied)&lt;br/&gt;Schluss mit lustig.&lt;br/&gt;2004, dein Trauerjahr. Verzweiflung und Wut.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Foto: am Briefkasten)&lt;br/&gt;Letzte Post, letzte Werbeblätter im Briefkasten.&lt;br/&gt;Und Mahnungen. Mahnungen zuhauf – Strom, Wasser, Kreditraten ... Du wolltest nicht hinsehen, hast Sorgen ignoriert und einfach heiser weggelacht.&lt;br/&gt;(Film heute: Himmel blau, noch in Farbe, dann auf schwarz-weiß übergehen, die Scheune, das Anwesen) &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(aggressives Instrumental aus dem Lied)&lt;br/&gt;Aus, Haus, raus: Die Basis Basse unter einem Schuldenberg begraben.&lt;br/&gt;Der Nomade.&lt;br/&gt; &lt;br/&gt;(Film Altstadt)&lt;br/&gt;Aufbruchsversuch und neue Energie in Rostock: Deine Kunstakademie in der Altstadtstraße Amberg 13.&lt;br/&gt; &lt;br/&gt;Viel Wirbel zur Eröffnung, und ein paar Leute besuchen dann auch deine Mal- und Zeichenkurse. Doch die Rechnung geht nicht auf.&lt;br/&gt;Wer kann dich noch auffangen? Letzte Rettung kommt durch eine Unterstützung für in Not geratene Künstler, doch dann läuft sie aus. Auszüge, Umzüge und die große Angst vor Obdachlosigkeit.&lt;br/&gt;Freundschaften? Geldfreundschaften? Freundschaften werden rar.&lt;br/&gt;Echte oder falsche Freude ziehen sich zurück. Einsamkeitskrank.&lt;br/&gt;Und doch: Rettende Engel.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;O-Ton: Kurt Wiede&lt;br/&gt;Mäzen&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Musik, Instrumental wird wirrer)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Der langsame Abstieg des Pawel P. führt in Trinkerverstecke, vor Supermärkte, und du – der Freigeist aus der offenen Landschaft Basse – bist in einem Wohnblock aus Beton von Rostock-Groß Klein untergekrochen – und wartest auf etwas.&lt;br/&gt;Auf den großen Durchbruch? Warten auf den Tod?&lt;br/&gt; &lt;br/&gt;Manchmal hast du Abschied gespielt, und ich hab es dir nicht glauben wollen, wenn du mit Suizidgedanken rumgelaufen bist. Irgendwann nach ein paar toten Tagen im frühen Jahr 2010 fand man dich tot in der Wohnung.&lt;br/&gt;Bart voller schöngeistiger Lügen.&lt;br/&gt;(Porträtfoto, Bart, Wechsel auf große Landschaftsmalerei Insel, Detail und zurück aufs Gesamtbild)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;O-Ton: Helga Manowski&lt;br/&gt;Kunstverein zu Rostock&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;O-Ton von Pawel, er wiederholt den Satz: „Ich glaub nicht, dass ich lange hier bleiben werde ...“&lt;br/&gt;Landschaft&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;(Beitrag: Wolfgang Grahl / Kamera/Schnitt: Holger Stein, Kai Kücken, Florian Metzner. Lied: Johannes Pistor und Wolfgang Grahl. Sprecher: Steffen Steglich. Fotos: Heike Pawlitzki, Thomas Ulrich, Stadtarchiv, Roland Hartig, Hans-Hubertus Brumberg, privat&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Pawel Pawlitzki gestorben</title>
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      <pubDate>Mon, 19 Apr 2010 09:35:04 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2010/4/19_Pawel_Pawlitzki_gestorben_files/kunsthalle-rostock-1996_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object003_2.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:287px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Wie erst jetzt im Amt für Kultur und Denkmalpflege bekannt wurde, verstarb der Künstler Bernd (Pawel) Pawlitzki im Alter von 67 Jahren am 14. März 2010 in Rostock. Geboren 1942 im Brandenburgischen, bei Senftenberg - studierte er von 1961 bis 1968 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Seit 1976 war er als Maler, Grafiker und Satiriker in Mecklenburg tätig. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Seine künstlerische Arbeit war geprägt von wechselvollem Engagement auf verschiedenen kulturellen Feldern. So arbeitete er als Kulturjournalist, Wissenschaftsgrafiker, Bühnenbildner, Lehrer und bildender Künstler. Er entwickelte in den 90er Jahren zahlreiche gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern und im europäischen Raum, mit nationaler und internationaler Beteiligung. Auch bereicherte er die &lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2008/10/9_Erfahrung_eines_Fiaskos.html&quot;&gt;Mecklenburgische Volks-Zeitung&lt;/a&gt; (MVZ, 15.02.1990 bis 15.09.1990) mit der satirischen Kunstfigur „Harald Keim“. Seine künstlerischen Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen innerhalb und außerhalb Deutschlands vertreten. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Seine Werke werden die Erinnerung an ihn, seine Expressivität, seinen Humor und seinen Ernst bewahren. Allen, die ihn im Leben und im Arbeiten kannten, ist in den letzten Jahren schmerzlich bewusst geworden, wie sehr Pawel Pawlitzki das Ringen um seinen künstlerischen Ausdruck an die Grenzen des eigenen Seins geführt hat. Viele Rostocker schätzten seinen Humor in Wort und Bild. Pawel Pawlitzki engagierte sich stets für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.tvrostock.de/&quot;&gt;tv.rostock&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://www.rostock.de/&quot;&gt;Hansestadt Rostock&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Pawel&lt;br/&gt; &lt;br/&gt;Zum Tod von Bernd (Pawel) Pawlitzki&lt;br/&gt;im März 2010&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;An Deinem lachenden Tisch&lt;br/&gt;Basse&lt;br/&gt;bis sich die Balken biegen&lt;br/&gt;Gegen alles, was stinkt und jeden&lt;br/&gt;Kleingeist&lt;br/&gt;Du&lt;br/&gt;Weltbürger&lt;br/&gt;im armseligen Reichtum&lt;br/&gt;Noch’n Bier?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bart voller schöngeistiger&lt;br/&gt;Lügen&lt;br/&gt;Kann nicht schweigen&lt;br/&gt;zu all dem&lt;br/&gt;Kleinbürgerlichen&lt;br/&gt;Rechtsradikalen&lt;br/&gt;Arroganten&lt;br/&gt;Sattsein&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Deine Bilder&lt;br/&gt;voller Wollust und&lt;br/&gt;tiefem Stürzen&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ins Metall geätzt&lt;br/&gt;Auf die Leinwand gebannt&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Pawel paradox&lt;br/&gt;Pawel Papperlapapp&lt;br/&gt;Pawel parabelhaft&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bildersätze, Farbmetall, Wortgeätz&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wie gern hab&lt;br/&gt;ich an Deinem lachenden Tisch&lt;br/&gt;Basse&lt;br/&gt;gesessen&lt;br/&gt;Überfordert&lt;br/&gt;Ob Deiner Über-Legen-Heit&lt;br/&gt;Heiterkeit&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Rebellischer Haltepol&lt;br/&gt;Verschneiter Planet Hoffnung&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Vor der Selbstzerstörung&lt;br/&gt;Greifst Du andere an: ALLE&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Mitschuldig, unschuldig&lt;br/&gt;sitze ich nun zwischen den Stühlen&lt;br/&gt;meiner Versäumnisse&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;und weine Dir&lt;br/&gt;meine Träne Hoffnung nach&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Gedicht: Wolfgang Grahl, im März 2010&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Fragmente des Erinnerns an Siegfried Pitschmann</title>
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      <pubDate>Sun, 8 Nov 2009 22:49:25 +0100</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2009/11/8_Fragmente_des_Erinnerns_an_Siegfried_Pitschmann_files/siegfried_pitschmann_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object001_2.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:282px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Auch wenn er aus „dem Süden“ kam, war er ein „Nordlicht“, ein Rostocker Original, der Schriftsteller Siegfried Pitschmann (1930 - 2002). Der zeitweilige Ehemann der legendären Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) war 1930 im schlesischen Grünberg (heute Zielona Gora) geboren. Zusammen mit Reimann schrieb er Hörspiele wie „Ein Mann steht vor der Tür“ (1960) oder „Ein Scheffel Salz“. 1957 bis 1959 arbeitete er als Betonhilfsarbeiter und Maschinist in der „Schwarzen Pumpe“ (Stichwort „Bitterfelder Weg“, Künstler und Arbeiterklasse). Danach lebte er als freier Schriftsteller in Hoyerswerda, dann seit 1965 in Rostock. Lange Jahre an der Küste. 1990 zog er zurück nach Suhl. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wenn von überregional bedeutsamen Schriftstellern des damaligen Bezirkes Rostock - heute könnten wir es in seinem Fall wohl gleichsetzen mit Mecklenburg-Vorpommern - die Rede ist, dann gehört Pitschmann in diese Reihe. Er hatte Uhrmacher gelernt, kam über einen Zirkel junger Autoren in Thüringen 1949 zum Schreiben. Nach seinem Vorbild Hemingway verfasste er Storys wie „Männer mit Frauen“ (1974). Sein Hörspiel „Der glückliche Zimpel“ wurde 1973 vom DDR-Rundfunk gesendet. Die Szenenfolge „Er und Sie“ erlebte 1976 am Volkstheater Rostock ihre Uraufführung. &lt;br/&gt;Wie ein Uhrmacher war Pitschmann ein Präzisionsschreiber, formbewusst, poetisch und detailgenau. Gemeinsam mit dem Regisseur Lothar Warnecke schrieb er 1974 den Defa-Film „Leben mit Uwe“. &lt;br/&gt;Der Literat von Rang gehörte zur Lebensbühne Rostock. Er verschwand von ihr, kehrte kurzzeitig zurück. Pitschmann, einst Verbandsvorsitzender der Rostocker Beziksliteraten, kam zuletzt als Gesprächsgast am 6. Mai 1998 in seine alte Heimat ins Literaturhaus Kuhtor. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Rückblende: Ich seh ihn noch mit Lederjacke durch die Stadt gehn; die „Alte Münze“ als Ziel unter den Füßen. „Das war mein Anlaufpunkt. Da traf ich Leute. Damals die vom Studententheater, Piri Meyer, Tamara Trampe“, reflektierte der Schriftsteller im Gespräch mit mir.&lt;br/&gt;Er hatte viele lebendige Erinnerungen an das Rostock seiner guten Jahre, auch an das einmalige Café „Alte Münze“, das nach der Wende verschwand, zur Bank mutierte. „Die ganzen Germananisten-Truppen traf ich in der Alten Münze“, erinnerte der Autor der auch die Erzählstücke „Männer mit Frauen“ und „Kontrapunkte“ verfasste.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Damals, als er so mit großen Schritten daherkam, schien mir Siegfried Pitschmann irgendwie unnahbar, oder: Es war die Schwellenangst, dem großen Dichter nicht gewachsen zu sein. Doch 1998 zeigte er sich ohne jede Komplikation; vollkommen offen, ehrlich, leutselig; wir landeten gleich beim Gesellschaftlichen: Er bereute den Wechsel der Zeiten mit der Wende auf keinen Fall, sagte er. Er, der Mann, der die Sätze seiner Werke hin- und herbewegt, abgewägt hatte, bevor er sie öffentlich werden ließ; er, der Langsamschreiber, hatte sich mit dem abrupten Wertewandel von 1989/90 inquisitorisch hinterfragt. Zwei Jahre lang, so berichtete er, zog sich er sich völlig zurück.&lt;br/&gt;„Natürlich“, begründete er, „ich war doch irgendwie verstrickt, ich war doch Ideologie bildend. Da habe ich alle meine Texte noch einmal scharf unter die Lupe genommen.“ Und er habe gemerkt, die letzten Arbeiten aus DDR-Tagen wurden „immer grimmiger“. Schließlich resümierte er: „Du nimmst keinen einzigen Text zurück.“&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;25 Jahre lebte, sinnierte, schrieb, stritt, schritt Siegfried Pitschmann in und durch Rostock. 1990 ging er nach Suhl. „Ich wollte ein kleines Refugium haben.“ Die Rückkehr ins Thüringische - Pitschmann war nach dem Krieg in Mühlhausen gelandet, wo er Uhrmacher lernte - war lange geplant. Aber jeder wisse doch nur zu gut, dass man in der DDR nirgendwo eine Wohnung bekam. Als im morschen Staatsgebälk „alles bröckelte und wackelte“, wurde der Wohnsitz Suhl wahr.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Mit seiner reichen Rostocker Zeit hatte der Autor bleibende Spuren hinterlassen. Zu seiner Lesung aus „Die vergitterte Frau“ kamen 1989 ins Kuhtor viele Gesichter aus jenen Jahren. Viele aus jener Zeit sprechen ihm bis heute viele gute Dinge in der Förderung des literarischen Nachwuchses zu. Und er hatte es umgekehrt auch. „Ich habe angenehme Erinnerungen an unsere Werkstattwochen oben in der Kühlung von Kühlungsborn mit den besten Leute aus den Zirkeln. Ich war begierig auf wirkliche Talente, die nicht so dicht gesät waren, war vorsichtig und skeptisch. Aber: Was sich heute alles so Schriftsteller nennt ...“ Die Elle des Könnens wurde bei Pitschmann hoch gelegt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das Verhältnis Autor und Theater gewann 1977 für den Schreiber eine neue Intensität: Intendant Hanns Anselm Perten kassierte Pitschmann als einen seiner vielen künstlerischen Mitarbeiter, wollte, dass er Großes für die Bühne schrieb. Mit derartiger Auftragskunst wollte es bei dem sensiblen Pitschmann nicht so richtig klappen. „Halb verlorene Jahre, halb Lehrjahre.“ Der Prinzipal Perten animierte ihn zu einem neuen Stück. „Ich sagte, einen Titel hab ich schon: Die Angst vor dem Ausbleiben des Zufalls. Perten war begeistert. Ist gekauft, ich garantiere dir 50 Aufführungen, hatte mir der Intendant gesagt“, erinnerte Pitschmann. Die Intendantenfrau Christine van Santen sollte die Hauptrolle spielen. &lt;br/&gt;„Anfangssätze hatte ich. Aber dann hab ich rumgemurkst und rumgemurkst. Irgendwie hatte ich damals schon so eine Blockade. Die Luft am Volkstheater war für mich nicht förderlich.“ Förderlich dagegen war ihm Eva Zapff, die 1998 starb und auf dem Ahrenshooper Friedhof neben ihrem Mann Claus Hammel beigesetzt ist. „Eine große Dramaturgin.“&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ein paar Sätze zu einem Schriftsteller, der zu den Nennenswerten im Norden gehört. Fragmente des Erinnerns.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Peter-Erik Kobermann</title>
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      <pubDate>Mon, 19 Oct 2009 02:23:41 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2009/10/19_Peter-Erik_Kobermann_files/peter-erik_kobermann_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object010_1.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:341px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Wenn von Rostocker Journalisten zur DDR-Zeit die Rede ist, die dem Volke wirklich nahe standen, die relativ ehrlich blieben und auch in der Euphorie für „das Gute“ nicht heuchelten, dann ist von einem Mann die Rede, den die meisten nur als „Erik“ kannten und ihn auch so nannten. Erik war eine Rostocker Persönlichkeit ohne Eitelkeiten - 1929 geboren, 1992 gestorben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Er schlurft nicht mehr durch die Straßen. Ein Rostocker Original, Peter-Erik Kobermann, ist 63-jährig gestorben. Erik war ein Synonym für die Rostocker Tageszeitung NNN, als es die noch als ein eigenständiges Blatt gab. Hier hatte er weit über zwanzig Jahre als fest angestellter Redakteur sein Brot verdient. Alles andere als ein Schreibtischredakteur, tummelte er sich unter den Massen der Stadt, schrieb in verschiedenen Kneipen seine Geschichten: meist warmherzig, in unverstelltem Deutsch, wollte den Menschen gerecht werden und galt vielen als ihr Anwalt,&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Seine Lehenslinien verlaufen anders als die der meisten anderen Redakteure. Aus gutbürgerlichem Hause stammend, verdingte er sich im Land nach dem Krieg als Fischergehilfe, Lastwagenfahrer, auf dem Rummel. Xaver Kugler, ein ebenso „legendärer“ Rostocker Journalist und Chefredakteur des „Demokrat“ traf ihn - wo denn sonst - in der Kneipe und holte ihn zum „Demo“. Kurz darauf wechselte Erik zu den NNN und gab mit seinem Schreibstil der Rostocker Lokalseite des Blatts ein unverkennbares Signum.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Erik war kein Parteijournalist. Obwohl er aus subjektivem Empfinden manches auch glorifizierte, hasste er das „Partei-Chinesisch“, wie er es vor Jahren in der Redaktion gut vernehmbar einmal bezeichnete. Die Mächtigen in der NDPD, der National-Demokratischen (Block)partei Deutschlands, die ihre Presse zu reglementieren versuchten, duldeten ihn eher, als dass sie ihn achteten. Erik hatte nicht viel am Hut mit den Block-Bonzen und verabscheute die Hierarchie der Macht. Blieb bei den kleinen Leuten, viele hob er in kleinen Porträts aus der Alltäglichkeit.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Auch wenn ihm Papierkram, jede Form von Bürokratie ein Graus waren - pingelig wie ein Buchhalter verwaltete er die eigenen Zeilen, er zählte sie täglich und seine erschienenen Artikel. An die 14 000 sollen es sein. Zudem sammelte er alles, was mit Rostock zu tun hatte, er hinterließ ein großes, zu ordnendes Archiv, das jetzt im Rostocker Stadtarchiv seinen Platz und seinen Namen hat.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Vor Jahren schrieb er in einer familiären Reminiszenz zum Totensonntag in einem Beitrag an die eigene Kindheit und Jugend von „silbernen Löffeln am Kafteetisch“. Parteibeflissene Presse-Zaren witterten kleinbürgerliche Geisteshaltung und rügten ihn. Er war gekränkt, steckte es schwer weg. Aber er nölte und nörgelte, zumeist beim Biertisch in der „Alten Schänke“ in der Rungestraße oder in „Helds Bierstuben“ unterhalb des Rathauses - Kneipen, die es heute nicht mehr gibt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wenn Erik etwas zu Papier gebracht hatte, galt das für ihn, und er konnte sich auch nur schwer davon trennen. Dokterte jemand an seinen Manuskripten herum, wetterte er, was das Zeug hielt. Auch manches, was vielleicht Mist war, war ihm heilig. In den verräucherten Kneipen machte er sich Luft.  &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Erik liebte klassische Musik. Sang, selbst als Chorist, ging in die Konzerte des Volkstheaters Rostock. Als Lokalpatriot lobte er vieles über den grünen Klee, was ihm unverständlich blieb, schmetterte er ab. Manchen „echten“ Rezensenten gingen seine Konzertbesprechungen auf den Geist. Doch die Kritiker stießen ihn trotz manchen Anlaufs nicht um. Erik schrieb und schrieb über Menschen und Musik. Manchmal saß er leicht im Jumm vorm Bier, die Noten vor sich, summte die Melodie, dirigierte sogar verlegen - dann schrieb er an einem Konzertbericht. An diesem geringen Teil seiner Arbeit - den Konzertberichten - klammerte er sich förmlich. War es, zeigen zu wollen, wie kultiviert er im Wesen doch war, eine Art Demonstration seines künstlerischen Intellekts? Der Versuch zu einem Stück mehr Selbstachtung. Ach, wie sollten ihn seine Freunde Blondy und Jimmy da überhaupt verstehen, kamen sie doch direkt von der harten körperlichen Arbeit an den Biertisch - alle bisschen schwul.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Erik war eine ehrliche Haut. Sagte, was er dachte. Trotz häufiger Einsilbigkeit in der Antwort trügte der Schein: er war vielschichtiger als manch einer dachte. Leute, die ihn am Kneipentisch mit „Erik, schreib das in die Zeitung“ belagerten, brummelte er barsch an: „Lot mi tauträden, ik möt schrieben.“ Ein freundliches Wort, ein spendiertes Bier versöhnten ihn schnell.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Seine Haut wurde dünner, Krankheiten plagten ihn. Seine Lebenslage wurde ungünstiger. Schade, dass er das zivilisatorisch Grandiose der Einheit Deutschlands nicht mehr auf die Reihe bekam. Noch im Januar 1992 plauderten ich mit ihm, und er fiel in die Treppenhaustirade ein: man müsse die Mauer neu und noch viel höher bauen und alle Halsabschneider verjagen. Jetzt ärgerte sich Erik über den neuen unendlich-unüberschaubaren Papierkrieg, über vermaledeite Zinssätze bei den Banken und über Rentenungerechtigkeit.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wenn er fluchte, dann ohne Abstufung. Scheinbar in allen Zeiten.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Eine grosse Rostocker Malerin im Portrait</title>
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      <pubDate>Mon, 4 May 2009 21:34:26 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2009/5/4_Eine_grosse_Rostocker_Malerin_im_Portrait_files/kate_diehn-bitt_titel-leveled_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object001_3.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:287px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Eine der bedeutendsten Rostocker Künstlerinnen des vorigen Jahrhunderts ist Kate Diehn-Bitt. Sie lebte von 1900 bis 1978. Ihr Werk ist wegweisend bis heute. Zur Zeit des Hitlerfaschismus verboten, in der DDR nie mit der nötigen Akzeptanz versehen, hatte die heutige Hansestadt im Jahr 2002 mit einer ersten großen Werkschau in der Kunsthalle einen Mark- und Merkstein gesetzt. Kurz darauf folgte eine Ausstellung im Kunstkaten Ahrenshoop, nochmals eine in der Rostocker Kunsthalle 2004 mit wiederentdeckten Zeichnungen, 2006 eine weitere in der Galerie Hebecker Weimar und zuletzt eine vorwiegend mit Malerei zum Joseph-Zyklus im Max-Samuel-Haus Rostock im Jahr 2007. Seither ist es wieder still geworden um Kate Diehn-Bitt. Leider zu still. Aber ganz bestimmt wird mit dem späteren Kunstmuseum Ahrenshoop an die große und produktive, originelle und originäre Malerin dauerhaft erinnert werden. An dieser Stelle ein besonderes Erinnern, das ich vor einiger Zeit mit einem Besuch beim Bildhauer Jo Jastram (Foto, rechts) in seinem Wohn- und Schaffensort Kneese-Ausbau zu Kate Diehn-Bitt hatte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zu Beginn ruft der heute 80-jährige Künstler die Kennenlern-Episode aus dem Jahre 1963 oder 1964 ins Gedächtnis zurück. „Nachdem ich die erstaunlich guten Bilder von Kate Diehn-Bitt gesehen hatte, war für mich vollkommen klar, dass sie eine umwerfende Künstlerin ist und dieses Werk in die Öffentlichkeit gehört.” Jo Jastram lässt seine erste Begegnung mit der Rostocker Malerin und Zeichnerin Revue passieren. Und Jastram tat, was er sich vorgenommen hatte: Er sorgte zur DDR-Zeit für Ausstellungen von Kate Diehn-Bitt in Greifswald, Stralsund und Rostock. Das Urteil des renommierten Bildhauers über Werk und Wirkung dieser Frau in der Kunst hat im Abstand der Zeit eine noch höhere Wertigkeit erlangt.&lt;br/&gt;„Als junger Bildhauer hatte ich im damaligen Klub des Kulturbundes in der Rostocker Hermannstraße Ausstellungen gemacht. Beim Stöbern fand ich dort ein unsigniertes Bild. Nicht zu übersehen, es war eine starke Malerhand im Spiel.” Nachdem er Namen und Anschrift der Schöpferin herausfand, machte er sich auf ins Atelier von Kate Diehn-Bitt in die Parkstraße 11.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Jo Jastram: „Ich fand diese ungewöhnliche große Frau, die gern Wodka trank und sich auch mal eine Zigarre anzündete, in einem ganzen Bilderreigen. Es waren Arbeiten zu Thomas Manns Romanzyklus Joseph und seine Brüder. Und in der Ecke stand ein in Bettlaken verpackter Stapel Bilder. Was ist denn das?, fragte ich. Das ist alles von früher, sagte sie. Und dann packten wir die Bilder aus.”&lt;br/&gt;Aus jenen Momenten in den 1960er-Jahren entstand eine Verbindung zu der couragierten Frau mit dem herausragenden Talent, die bis zu ihrem Tod 1978 währte. Jastram erzählt auch vom spontanen Wesen Kate Diehn-Bitts, die manchmal verlangte, er habe sofort zu ihr zu kommen, Minuten später aber sagte sie wieder ab.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Um sie herum ihr Mann, der Zahnarzt Paul Diehn, „die Inkarnation der Geduld”, der ihr aus düstren Lagen in besonders schlimmer Zeit mit seiner Möglichkeit heraushalf. Die Nazis hatten sie erstmals 1934 und dann nochmals 1936 mit Ausstellungsverbot belegt, nachdem sie in der Berliner Galerie Gurlitt mit Hertha von Guttenberg ihre Bilder zeigte; sie hasste den blanken, platten Nationalismus und seine schlimmen Verherrlichungen. „Das hieß”, reflektiert Jo Jastram, „sie durfte keine Farben und Pinsel kaufen. Mit Hilfe seiner Patienten hat ihr der getreue Peter Diehn die Malmittel gekauft. Die Materialqualität litt zwar, nicht aber die künstlerische Intensität. Wunderschöne Porträts entstanden wie das ihrer Schwester Annemarie und das des Barlach-Freundes Friedrich Schult.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Als der Krieg vorbei war, hatte sie anfangs „ihrer Hoffnung Spiel gegeben”, wie es der Bildhauer formuliert; dann aber 1952 in Auswirkung einer Formalismus-Realismus-Diskussion einen „innerlichen Abschied genommen, der fast einer Entsagung ihrer eigenen Kunstgeschichte glich”.&lt;br/&gt;Nach einer nur kurzen euphorischen Phase „musste sie das zweite Mal in die Grube, sie konnte und wollte nicht mehr ausstellen. Diesen Bann wollte ich brechen.” Im damaligen Direktor des Instituts für Kunstgeschichte der Greifswalder Universität, Günter Regel, habe Jastram dann einen Mann gewonnen, der Diehn-Bitt ausstellte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zur Eröffnung 1968 kam auch Kunstmäzen Lothar Bolz, der damals schon von Walter Ulbricht entmachtete DDR-Außenminister. Bolz, so dehnt unser Gesprächspartner den Erinnerungsbogen, hatte als Schirmherr der Ostseewochen in Rostock zu Jastram Beziehung, auch weil der Bildhauer nach Otto Niemeyer-Holstein Präsident der Biennalen der Ostseeländer wurde. „Die Biennalen waren für die Rostocker Künstlerschaft eine tolle Möglichkeit, über Mauern und Grenzen hinaus zu blicken.” Bei einer dieser Gelegenheiten habe er Lothar Bolz dann auf Kate Diehn-Bitt aufmerksam gemacht; beide fuhren flugs in die Parkstraße 11, und Bolz „kaufte aus dem Stand drei Bilder von ihr”.&lt;br/&gt;Nachdem der Bann mit der Greifswalder Schau - die hatte Jastram in eigene Regie genommen -gebrochen war, folgte eine Exposition in Stralsund und schließlich die „offizielle Rückkehr in ihre Heimatstadt”. Später habe sie sich „lustlos an Gruppenausstellungen beteiligt”. Nach biblischen Themen seien „immer mehr ungegenständliche Explosionen seriell aus ihr herausgekommen”.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Für Jo Jastram stellt Kate Diehn-Bitt unangefochten „eine der wesentlichsten Künstlerpersönlichkeiten ihrer Zeit” dar. In den starken Bildern einer „romantischen Form der Neuen Sachlichkeit” sieht er eine Nähe zu Paula Modersohn-Becker und zu Dora Koch-Stetter; mit ihrer Kunst in ihrer Zeit aber stehe die Rostockerin „in Deutschland ziemlich allein”.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Was gibt Kate Diehn-Bitt im Jahr 2009 mit auf den Weg? Heutige Künstler wollten vielfach eine schnelle Wirkung erreichen, was vom Ich wegführe; sie könnten aber aus der Kunstwelt der Diehn-Bitt die „Intensität des Berichtens von ihrer Befindlichkeit erfahren”. Und das in beispielhafter Form.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Erinnerung an den Lyriker Jo Schulz</title>
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      <pubDate>Thu, 2 Apr 2009 23:57:13 +0200</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2009/4/2_Erinnerung_an_den_Lyriker_Jo_Schulz_files/jo_schulz-leveled_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object004_1.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:282px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;All jenen, die freche Lyrik und expressive Fabulierkunst in der DDR liebten, war Jo Schulz (1920-2007), der Dichter, ein Begriff. Der Lyriker, Librettist und Romanautor von Rang hätte am 31. März 2009 seinen 89. Geburtstag gefeiert. Der Berliner Schriftsteller starb 8. April 2007 in Berlin, lebte aber ach so viele Jahre in Prerow, seiner Wahlheimat auf dem Darß.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Auch wenn seine Verlagshäuser - Verlag der Nation, Henschel und Eulenspiegel - nicht in Rostock standen, so hatte er doch eine Beziehung zur heutigen Hansestadt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;„Ich war sehr oft und gern zu den Buchbasaren in Rostock, in den 70er- und auch in den 80er-Jahren”, erinnerte sich der Autor an die Begegnungen mit „seinen” Lesern mitten in Rostocks Fußgängerzone, der Kröpeliner Straße.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Den Textautor des ersten DDR-Musicals „Messeschlager Gisela”, wofür Künstlerkumpel Gerd Natschinski die Musik schrieb, traf ich zu einem Gespräch im März 2000; da feierte Jo Schulz gerade seinen 80. Geburtstag und war bei bester Laune: Wie immer ein bisschen verrückt, voller ansteckender Pläne, die er alle durcheinander erzählte, zwischendurch verlor, und später nahm er den Faden dann irgendwie doch wieder auf. Das war in Prerow in seinem Haus nahe der Wiese, das und die er so liebte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zurück in seine Geschichte. Mitte der 60er-Jahre wurde die Erfolgsoperette „Messeschlager Gisela” aus dem Repertoire des Metropol-Theaters Berlin und von 20 weiteren Bühnen gestrichen. Zu antiautoritär, soll es geheißen haben. Aber das ist schon eine andere Geschichte aus dem alltäglichen Zensurbetrieb DDR-Realsozialismus, von dem auch der stets und ständig parteilose Jo Schulz manches abbekam. Und lächelnd wegsteckte. Allein diese Episode deutet es an: Aufhebens- und berichtenswert ist vieles aus einem so reichen Dichterleben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Rostock - Jo Schulz schweifte ab im Erzählen, verhedderte sich in Tausend Gedanken, landete bei Gott und der Welt, fand den Bogen dann doch aber wieder, Rostocks Buchbasar hatte durch ihn etwas „Sensationelles”, übertreibt er (oder nicht?). „Ich wurde immer wieder eingeladen, allein wegen LACHEN UND LACHEN LASSEN. Das Buch blieb Bückware bis zur 13. Auflage 1988.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bücher, Basar, Bückware, Biographie&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;In seinem Vorleben hatte der Starautor des DDR-Verlages der Nation Berlin (er erinnerte sich lebhaft und gern an den geistreichen Lektor Hartmut Mehnert) allerhand durchgemacht. Kriegsgeneration. Träume und Traumata.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Am 31. März 1920 in Bautzen geboren, schreibt er achtjährig Märchenstücke, eines davon erschien in „Die Falle”, eine Kinderbeilage, die Erich Kästner redigierte. „Am Stadttheater Bautzen hatte ich alles, was gespielt wurde, gesehen. Und das Buch Die Weltgeschichte des Theaters kannte ich fast auswendig.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Später schreibt er ein Krippenspiel, es ist das Jahr 1941 und er im Waffenrock der Wehrmacht beim Einmarsch in die Ukraine.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Übrigens, nach der „Wende“ ´89 und der deutschen Einheit von 1990 findet er einstige Kameraden wieder, man trifft sich: einer von früher ist hochpopulär durch ein honorables Archiv im Westen: Ludwig Munzinger, einer war‘s für viele im Osten durch sein humoriges Werk: Jo Schulz. Mit dem Kapitel Krieg und Nazireich hatte der Mann ein für allemal abgerechnet, ein wirklicher Schlussstrich. In seinem einzigen Roman LAUFEN OHNE VORDERMANN, der 1976 in erster Auflage im Verlag der Nation erschien, hatte Jo Schulz alles beschrieben. Minutiös.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Lächeln, Lachen, Glücksmomente? Jo Schulz war eine Frohnatur. Auch wenn der Humor, der Esprit in freien und festen Rhythmen als ein dichterisches Signum das Schaffen des Jo Schulz durchzieht, es mangelte ihm nicht an leidvollen Erfahrungen, persönlichen wie auch gesellschaftlichen. Auch von diesen schattigen Gefühlen und Werten handelt manches bei ihm.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wir gingen bei meinem Besuch vor acht Jahren in sein schon schön hergerichtetes Atelier. Der Autor malte auch in seinem Prerower Haus. In Berlin frivol und kess lauter Vaginen, in Prerow wohl auch, aber zu sehen waren an den Wänden Gesichter, Leiber Augen… Traum und Wirklichkeit in Verschmelzung. Verrückte Bilder oder lyrische Malerei. Einen Text hatte er schon 1968 malerisch umgesetzt, seine große Lebensenttäuschung; das Bild hing neben folgenden Zeilen:&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Alle Kammern&lt;br/&gt;deines Herzens&lt;br/&gt;sind&lt;br/&gt;schwarz ausgeschlagen&lt;br/&gt;Deine Lippen: Kalk&lt;br/&gt;Nichts blutet für mich&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Jo Schulz war vielen jungen Leuten mit einem gewissen Schreibtalent oder einer gewissen Sehnsucht danach in den 70er- und 80er-Jahren in der DDR ein „Vorbild”, er war ihr Dichtervater. Lax in seiner Art, ein perfekter Rezitator eigener Zeilen, die meist leichtfüßig daherkamen, es aber meist in sich hatten, eine andere Dimension erreichten.&lt;br/&gt;Jo - viele duzten ihn - war einer der Seminarleiter bei der zentralen Poetenseminaren der FDJ, die über viele Jahre in Schwerin stattfanden („Hoch zu Ross ins Schloss/mit gebrochnem Reim heim”).&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Im Band „Zwischen Frühling und Frost” sei sein Gedicht von den toten Lippen erschienen, erinnerte er in unserem Gespräch im Frühjahr 2000 (Foto). Ich erinnere mich an den eindrucksvollen Gedichtband mit Zeichnungen von Heidrun Hegewald aus einer Zeit, da Gedichte von großen Teil der Bevölkerung noch gelesen oder gar verschlungen wurden, als sie für viele Leser noch einen Wert hatten.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Schlaglicht in das Leben des Jo Schulz: Noch vor seinem Kriegsdienst überfiel ihn ungeahnter Sadismus von Antreibern beim Arbeitsdienst in der Tschechoslowakei, es war 1940, und er war 20. „Da habe ich gelernt, wie man sich wehren kann: Mit Humor.” Es folgen fünf Jahre Krieg, fünf Jahre Gefangenschaft. „Im Vormarsch fertigte ich eine Bewerbung für die Aufnahme am Max-Reinhardt-Institut Wien an mit einer Bearbeitung des EGMONT.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das war dann schon Vergangenheit, seine Gegenwart wurde bis zum Dezember 1949 ein Lager zur politischen Umerziehung in Leningrad. Mit einem Holzkoffer ist er daraus heimgekehrt zu einer Tante ins zerbombte Dresden. Da nahm er ein Vierteljahr Sprechunterricht im Schauspielstudio des Heinz Redlich. Kurz darauf fasste er in Berlin Fuß als „Humorredakteur”, wie es wörtlich hieß, beim Satireblatt „Frischer Wind”, der Vorläufer des „Eulenspiegel”; später ging Kriegsheimkehrer Jo Schulz mit einem Kabarett kreuz und quer durch die DDR auf Reisen. Da war er vieles in einem: Autor, Regisseur und Organisator. Wichtige Jahre, doch diese Karriere endete und die des Schriftstellers begann.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zwölf eigene ehrliche Bücher sind entstanden, eine Tanzgeschichte, die Musicals „Messeschlager Gisela” und „Mein schöner Benjamino”, für letzteres schrieb Guido Masanetz die Musik. „Das Ding ging in die Hose”, sagte Song- und Szenenschreiber Schulz lakonisch. In über 100 Anthologien finden sich seine Texte - es sind Gedichte, Gedanken, Aphorismen, Essays.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ein vergessener Autor? Sicher, unmerklich tanzt die Zeit. Jo Schulz, der mit Lyriker Günther Deicke befreundet war, wird aus dem Gedächtnis verschwinden. Vielleicht ab und zu ein Gedichtband im Antiquariat erinnert an das Unikum der DDR-Dichtkunst.&lt;br/&gt;Und doch, vieles bleibt bewahrenswert, auch wenn es Illusion blieb. Der Schriftsteller hatte sogar ein nicht haargenau definiertes Projekt im Sinn: Er wollte sein Haus am Darßwald in Prerow nach seinem Tod weit öffnen lassen (seine kleine Zweitwohnung befand sich im Prenzlauer Berg). In Prerow übrigens lebte er in der Nähe des Zeichners Gerhard Vontra, über den ich in dieser Rubrik bereits berichtet habe.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zurück zu Jo. Seine Prerow-Idee sah so aus: „Ich will, dass der Humor weiter getragen wird, auch mit meiner bis an die 3000 Bände reichenden Bibliothek des Lachens und Lachenlassens. Mein Haus in Prerow soll nach meinem Tod vor allen Dingen jüngeren Autoren in einer Art zugänglich gemacht werden, die hier für einen kleinen Beitrag arbeiten und diese reiche Bibliothek nutzen können. Dass sie Nichtraucher sind, wird vorgeschrieben. Und ein bisschen Ahnung von Malerei, die ich nebenbei betreibe, sollten sie haben.” Um das zu verwirklichen, müsste noch viel passieren, meinte er „damals”; die Bibliothek sei zu katalogisieren und vieles andere zu ordnen; der „Atem” aber, aus dem man die Werkstattmethoden erahnen könne, der sei zu erhalten. „Ein Verein meiner Freunde soll in meinem Haus mein Schriftstellerleben erwecken”, fabulierte er seinen Traum. Es blieb bei den Tagträumen, und realistisch besehn, musste so etwas auch scheitern.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zwischen eigene innere Fronten ist der kleine Mann voller großer Kreativität Zeit seines Lebens gekommen. Und nicht zerbrochen. Jahrelang Mitglied im Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR, dem er nicht zu entfliehen vermochte, hielt er sein Quantum Mut beisammen. Jo Schulz war einer der wenigen Wagemutigen, der auf einer legendären Verbandsversammlung 1979 gegen den Rausschmiss von kritischen DDR-Schriftstellern durch die SED-Oligarchie stimmte und von linientreuen Kollegen Zorn erntete.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Episode. Irgendwann nach der Wende treffen der einstige Chefdramaturg des Friedrichstadtpalastes, Volker Neumann, und Björn Engholm im einem Gasthaus von Lübeck aufeinander und kommen ins Reden. Engholm suchte für ein neues Kunststück einen DDR-Schriftsteiler mit Zeitgeist für ein Buchprojekt mit dem aus Ungarn stammenden Maler András Márkos. Und so erschien in einer Mini-Auflage 1995 das teure Buch „Mene Mene Tekel” von Jo Schulz. Neues Stück, etwas bitter im Tonfall.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;„Ende gut, Alles gut! Alles ruht. Ende Wut? Wäre nur Sprache nicht gar so verräterisch. Der Begriff Beitritt löste einen Klick in meinem Erinnern aus: Stammeshäuptlinge der ehemaligen deutschen Schutzgebiete baten um den Beitritt zum Kaiserreich. Immerhin - ich lebe in einer Demokratie...”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wir kramten bei unserer Begegnung in Zeiten, fanden Gesichter und Geschichten wieder; eines davon war meins, denn ich hatte ein paar Jahre bei ihm auf dem Poetenseminar in Schwerin „Unterricht”, und wir behielten uns auf die Jahre auch in den Augen, ich besuchte ihn ein paar Mal in Berlin in seiner ersten Wohnung in der Rosenthaler Straße nahe der Grenze; wir gingen zusammen in die „Distel”, da kannte er Hinz und Kunz, das war erst mal was!&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und ein anderer, der bei ihm auf dem Poetenseminar in Schwerin in „Dichterlehre” ging und selbst ein sehr guter Lyriker wurde, ist Kurt Scharf. Der Wolgaster Denker ist inzwischen wohl Mecklenburg-Vorpommerns bedeutendster Lyrikus.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Zurück nach Prerow/Berlin in verflossenen Zeiten. Eigentlich wollte Jo noch so manches zu Papier bringen; aber konnte er noch schreiben, wo es in seinem Kopf manchmal wie in einem Kunterbunt aussah? Wehmütige Rückschau? Mag sein, ihm fehlte nach dem Verschwinden der DDR - nach dem Beitritt - doch irgendetwas. Das meinte er jedenfalls, und er relativierte auch kurz darauf schon wieder.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Jo Schulz 2000: „Ich schreibe seit langem ein und denselben Vers in meine Bücher: Erinnern an Utopia. Ein Land verschwand. War es je da? Nee, das gab es nicht. Es waren ordentliche Versuche und ein böswilliges Verharren auf so genannten Traditionen. Eine Utopie, die nie wahr werden kann, weil sie gegen den Charakter des Menschen gerichtet ist.” Und fährt fort: „Es gibt diese vage Behauptung, diesen vagen Slogan: In der DDR war ja auch nicht alles schlecht. Ach was, es war ein Stempelsystem.” Und Jo erklärt, was er damit meint, mit dem Systemstempel: Man wurde abgestempelt, ein guter oder mieser Mensch zu sein; abgestempelt von einem System.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Klar doch: Im zeitlichen Niemandsland gehört er jetzt ganz und gar zu jenen, die gut sind, einfach so, ohne Stempel. Wer ihn kannte, wird das bestätigen. Stempel drauf und Schluss.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;LESERBRIEF&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Kleiner Gedenkstein für den lieben Jo&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Lieber Wolfgang Grahl,&lt;br/&gt;das ist ein sehr schöner, detailreicher Gedenkstein für den lieben Jo!&lt;br/&gt;Kennen Sie den jetzigen Status des Prerower Hauses?&lt;br/&gt;Gruß aus dem Urlaub (Schorfheide)&lt;br/&gt;Gerd Natschinski&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Todessturz eines Journalisten</title>
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      <pubDate>Thu, 26 Mar 2009 09:39:27 +0100</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2009/3/26_Todessturz_eines_Journalisten_files/frank_peters_nnn_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object003_3.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:320px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;WIE STARB FRANK PETERS? (15. März 1962 bis 25. März 1994)&lt;br/&gt;Erinnerungsstücke von Wolfgang Grahl (1994)&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Hat seinem Leben durch Suizid ein Ende gesetzt. Stürzte sich in Rostock vom Haus der Schifffahrt der Langen Straße in einer Märznacht. Bauarbeiter fanden morgens seine Leiche.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Lieber Frank im Himmel; ich weiß nicht, ob das nötig war und so spektakulär. Aber wer sich mit Dir ein wenig befasst hatte, konnte so etwas in irgendeiner Form nahezu vorausahnen. Im März 1994 springst Du zu dunkler Stunde mitten in Rostock von den Baugerüsten des Hochhauses der Schifffahrt in die Todestiefe. Ich weiß nicht, was ich empfinden soll …&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wer bist Du eigentlich gewesen, Frank? Vielleicht Einmeterundfünfundsechzig groß, kurzer schneller Schritt. Du hast irgendwie gegrient und dann das Gesicht wieder auf ernst verzogen. Die kleine runde Brille gab Dir einen intellektuellen Anflug. Gekleidet warst Du schlecht und praktisch, manchmal bisschen nachlässig, luschig: Du warst allein.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Während Deines Journalistikstudiums an der Karl-Marx-Universität Leipzig kamst Du Anfang der 1980er-Jahre als Praktikant in die Redaktion NNN nach Rostock Kröpeliner Straße 21. Du hast viel von Deiner Diplomarbeit erzählt, die sich mit der Rolle der Sozialdemokratie von den Anfängen bis zum Verbot ‘33 und der Widerspiegelung in der Presse der Zeit befasste. Mit Deinem Wissen darum hast Du manchmal brilliert und Parallelen gezogen, Du hast uns in neues Nachdenken versetzt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Vor dem Hintergrund damaliger Zeit- und Presseumstände hast Du manch gutes journalistisches Produkt abgeliefert. Ich erinnere mich an das Porträt über den „Vater des Teterower Bergringrennens“, Willi Peters.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dann kam die große Serie „Dem Vergessen entrissen“, die Karsten Schröder, Ingo Koch und ihre Geschichts-Kommilitonen für die Lokalredaktion unserer damaligen Zeitung schufen und schrieben, das entflammte Dich ungemein, und das war schön zu erleben, wie Du mitgelebt hast. Es war alles andere als die einheitsparteibetriebene simplifizierte Form eines Antifa-Geschichtskults – hier traten Rostocker Bürgerliche, Liberale, Juden, Ärzte, Arbeiter, Fabrikanten und Gelehrte aus der Versenkung; erinnert sei nur an den Rostocker Rechtsanwalt Dr. Ludwig Jenss, den die Nazis in die Zange nahmen und in den Tod trieben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Frank, da hast auch Du die Feder gewetzt auf der Suche nach Wahrheit. Unsere Artikel aktivierten Nachfahren und Zeitzeugen aus dem auch und gerade für den DDR-Block- und  -Provinzjournalismus Tabu-Raum Bundesrepublik Deutschland. Es war eine kleine Bresche geschlagen, ein Freiraum entstanden. Wir und die Geschichtsstudenten um Karsten Schröder profitierten von den Zeitzeugen aus dem „Westen“.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nach Deinem Studium kamst Du vertragsgemäß zu den NNN in Deine Heimatstadt Rostock als Redakteur der mitläuferischen National-Demokratischen Partei Deutschland und wurdest später Sportredakteur der Zeitung. Da hast Du das, was Heinz Schulz über Jahrzehnte aufgebaut hatte, versucht, fortzusetzen. Mancher Bericht, den Du, nach einem Hansa-Spiel beschrieben hast, war gelungen, hielt kollegialer Kritik stand. Anderes war Mittelmaß.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aber es fehlte Dir an routinierter Perfektion, an innerer Ruhe für die Aufgabe in Ganzheit. Schon damals war es Dir am liebsten, wenn‘s einen gab oder wenn nach getaner Arbeit in der „Alten Schänke“ in der Rungestraße Bier und Schnaps gekippt und ziellos gequatscht wurde. Unter Leuten sein.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und irgendwann bist Du dann mit geborgtem Geld und Deinem Stoffbeutel losgezogen, aus dem es dann verdächtig klapperte und kamst vormittags noch besoffen zum Dienst. Die Konflikte wuchsen. Das Sportressort wurdest Du los, Du musstest zähneknirschend ins triste Dasein der Nachrichtenredaktion wechseln.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wieder richtig schätzen und achten gelernt habe ich Dich im Herbst 1989 und dann darauf in der ersten Phase des Aufbaus der „Mecklenburgischen Volkszeitung“ (MVZ) ab Februar 1990. Das war Deine wichtigste und intensivste Lebenszeit.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bei den NNN hast Du zu Wendetagen Artikel und Pamphlete als Ausdruck der Volksmehrheit gegen SED- und Staatsterror auf den Seiten 1 und 2 gut ins Blatt gesetzt, das passte den Chefs und vor allem den Pressezaren in Berlin überhaupt nicht in den Kram. Da hast Du Haltung bewiesen: Couragiertes Aufbegehren gegen verbissene Linietreue. Dein Selbstwertgefühl wuchs wieder, bekam Flügel. Doch von der Flasche hast Du nicht mehr losgelassen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bei der „Mecklenburgischen“ dann, hast Du als Sportredakteur oft ganz Arbeit geleistet, bist wie viele von uns über Dich hinausgewachsen. Doch Du wurdest verstörter, egozentrischer, egoistisch berechnend, hast Dich mehr und mehr selbst überschätzt. Durch Deine Sauferei hast Du manchmal das Erscheinen der MVZ gefährdet.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Hattest Du da noch wirkliche Freunde? Oder waren es nur Saufkumpane? Weil kein Verlass mehr auf Dich war, mochte ich Dich immer weniger. Deine Kumpel hießen Bier und Schnaps. Aufblitzende Fröhlichkeit war gespielt, eigene Unzufriedenheit bekamen andere verabreicht. Und dann, als Du zur Zeit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion im Juli 90 aus Deinem Fenster der MVZ-Redaktion in der Doberaner Straße 6 im Anschwall bei Dir grassierender Nostalgie noch die DDR-Fahne stolz heraushing, verlor mein Verständnis für Dich jeden Boden. Du strapaziertest in unserem Blatt das von der DDR-Politik bewusst kultivierte Abgrenzungs-Hasskürzel „BRD“ mit Genugtuung und sympathisiertest mit jenen, die Du noch in der Kerzenrevolution attackiert hattest.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das freie Blatt MVZ starb trotz großen Engagements vieler und trotz uneigennütziger Hilfe so mancher guter Kollegen der „Neuen Westfälischen“ Bielefeld in gelebter Ost-West-Gemeinschaftsarbeit nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ im September 1990.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Du hattest Glück, Frank, beim „Demokrat“ bis zum Eingehen auch dieser Zeitung im Frühjahr ‘91 im Sport unterzukommen. Schließlich landetest Du als freier Mitarbeiter bei der „Bild-Zeitung“ in Rostock, und Du giertest nach Sensatiönchen aus dem Sportleben. Ich weiß nicht, wie es Dir ergangen ist, denn unsere Blicke hatten sich verloren. In Aussicht gestellt schien Dir der Job eines Pressesprechers bei einem Schweriner Sportclub.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Suche nach Geselligkeit, um der Einsamkeit Deiner Behausung in Evershagen zu entfliehen, blieb Dir. Du hattest Deinen neuen kleinen Kreis, in den Du Dich setzen konntest. Eltern, die Dir hätten ein Stück Last abnehmen können, gab es nicht mehr. Dann hast Du Dir 1993 die Pulsadern aufgeritzt, bist noch auf der Lebensbühne geblieben. Erst der Todessturz vom 25. März 1994 hat Dir ein Grabmal beschert.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Du warst erst 32 Jahre alt.&lt;br/&gt;Frank im Himmel?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;E-MAIL: grahl-presse[at]alice-dsl.de&lt;br/&gt;Ersetzen Sie bitte das [at] mit dem @Zeichen auf der Tastatur.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Eine Portraitskizze</title>
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      <pubDate>Wed, 11 Mar 2009 22:57:53 +0100</pubDate>
      <description>&lt;a href=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Eintrage/2009/3/11_Eine_Portraitskizze_files/armin_muench_grafiker_1.jpg&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.foto-hartig.de/Ansichten/Grahl-Report/Media/object009_3.jpg&quot; style=&quot;float:left; padding-right:10px; padding-bottom:10px; width:280px; height:191px;&quot;/&gt;&lt;/a&gt;Armin Münch, ein einmaliger Mensch und Grafiker. Er ist ein wesentlicher Künstler Mecklenburg-Vorpommerns mit der ihm eigenen, unverwechselbaren „Handschrift”.&lt;br/&gt;Armin Münch, so sagt es der nicht minder bedeutende norddeutsche Künstler, der Bildhauer Jo Jastram, „ist keiner, der mit Volkstümlichkeit spekuliert. Er ist vielmehr einer, der zeichnet, was er meint und was er fühlt. Er ist ganz besessen von dem Wunsch, mit dem, was er schafft, seine Mitmenschen zu erreichen.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Bilder voller Spannung&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;„Morgensterne” der wehrhaften Massen im Bauernkrieg. Der Exzess in der Walpurgisnacht und: Endzeit. Dem Teufel ist er mehrfach begegnet: Die Hölle Dresden in durchlebter Bombennacht am 13. Februar 1945.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das Genie wie Einstein; Chaos, Vernichtung mit Hiroshima; Tod und Teufel - und immer wieder Hoffnung, dass das Menschliche siegt. Das Doppelgesicht Mephisto-Teufel - Münch ist immer wieder aufs Neue der Lebenswahrheit auf der Spur.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Armin Münch: „Ein einschneidendes Erlebnis - die Bombennacht von Dresden. Das hat mich mein Leben lang nicht mehr losgelassen. Unmittbar danach dann als 15-Jähriger, habe ich ein paar Kritzelkratzel-Skizzen von diesem schrecklichen Erlebnis gemacht. Später habe ich dann den Zyklus Dresden geschaffen. Dresden 1945 - das war mein schrecklichstes großes Grunderlebnis.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Münch bewegt sich zwischen Lebenspolen: Krieg und Frieden, Freude und Schmerz; stets einem großen Sinn verpflichtet. Gesichter sind Charaktere wie die Rostocker Legende, der Intendant Hanns Anselm Perten oder der Schriftsteller Fritz Meyer-Scharffenberg oder der Forscher Dr. Moeck.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und „Faust“ - Faust lässt ihn nie mehr los&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ob aus dem Alltäglichsein oder in geschichtlicher Tiefe: Immer nähert sich der Künstler seinem Gegenstand mit gleich großer Intensität, mit der gleichen Achtung vor dem Menschen und den menschlichen Werten. All das, was er vorfindet, was er sich vornimmt, geht er ernsthaft an. Selbst das Spielerische, das Frivole - Hingabe und Selbstversunkensein, Liebe und Liebesrausch. Kein billiger Abklatsch von Wirklichkeit. Menschen und Situationen, Ereignisse und Erregungen - all das durchdringt den großen Rostocker Zeichner und Grafiker. Feder, Pinsel, Tusche und Kreide sind sein Handwerkszeug. Er erzeugt mit einem Minimum an Mitteln ein Maximum an Ausdruck. Ganz im Sinne von Käthe Kollwitz: „Ich will wirken in meiner Zeit.” Spuren des Menschlichseins hinterlassen. Ein ganz eigener Zeuge der Jahrzehnte.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Er hat wie kaum ein anderer Künstler seit Mitte der fünfziger Jahre bis auf den heutigen Tag den Nordosten geprägt. Armin Münch ist eine der populärsten Figuren ostdeutscher Zeichenkunst. Das äußerlich fröhlich wirkende Naturell hat es FAUSTdick hinter den Ohren. Er fordert und formuliert große Themen, es sind Menschheitsfragen, klar und begreiflich: Armin Münch lehrt sehend, ohne belehrend zu sein.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Geboren am 1.Mai 1930 in Rabenau bei Dresden; das Inferno auf die Elbestadt am 13. Februar 1945 erlebt. 1950 bis 1955 Hochschule für Bildende Kunst Dresden. Seit 1955 - Wahlheimat Rostock mit seiner unendlichen Liebe zum Meer.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Armin Münch: „Das gewaltige Meer, das dramatische Meer, das tiefe Meer. Mit dieser Tiefe hängt das bildnerische Schaffen zusammen, das man versucht, mit den Bildern in die Tiefe, in die Innigkeit zu gehen.”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Von 1958 bis 1960 wird der hochtalentierte Grafiker Meisterschüler der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin. Bis heute verehrt er seine großen Meister Hans-Theo Richter, Max Schwimmer und Josef Hegenbarth.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Später wirkt Armin Münch selbst als Dozent an den Universitäten Greifswald und Rostock - ein unorthodoxer Professor bis ins Jahr 2000 hinein, der dem künstlerischen Nachwuchs viel von seiner Leidenschaft vermittelt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;„Die große Weltgeschichte ist das interessanteste, was es zu gestalten gilt. Wir leben im Atomzeitalter, das ist eine große Menschheitsetappe”, beschreibt er sein Credo und fährt fort. „Goethe hat das schon ein bisschen geahnt: Man sollte erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält…”&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Der Künstler lebt unspektakulär; völlig ungekünsteltes Wesen, er bleibt mit seinem einmaligen Talent des Verdichtens ein Alltagsmensch.  Von seinem Atelier aus blickt er auf die Dächer von Rostock-Lütten Klein. Hier leben Armin und Marianne (Nanne) Münch seit 1969. Privilegien hat er kaum genossen, auch wenn es in der DDR keinen Mangel an Verlockungen gab.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Münch ist arbeitswütig, kein Salonlöwe. Vom diffamierenden Etikett der Staatsnähe, das DDR-Künstlern zu gern in Siegerpose angeheftet wird, hält er nichts: „Ich habe immer meine Kunst gemacht. Und nur natürlich - meine Themen waren und sind politisch, wie die Ächtung der Atombombe“, sagt er.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Waagerechte, Senkrechte, Schräge - so einfach geht es, das Zeichnen, meint Münch. So einfach? Er beherrscht und perfektioniert die Bildgesetze auf seine unverwechselbare Weise. Sparsame Klarheit, Genuss in einer Welt des Überflusses.  Vor einigen Monaten ist Münchs Tochter Maja gestorben. Da starben seine Frau Marianne und er den „Megatod”. „Momente und Ewigkeit prallen aufeinander. Endloses Sinnieren…” Lange hat er geschwiegen, Sinnfragen ohne Antwort. Jetzt sitzt Münch, der alle Leute, die er mag, duzt, wieder am Zeichentisch. Sogar farbige Grafik ist dabei, eher selten in seinem Oeuvre. Sein Werk ist voller Vielfalt. Sein Werk - ein Universum.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Über 16 000 Grafiken hat er der Universität Rostock vor ein paar Jahren zur Schenkung gemacht. Über 120 Ausstellungen säumen seinen Lebensweg. Über 30 Bücher hat er illustriert. Ganze Generationen junger Zeichner und Grafiker lernten von ihm. Seine Blätter und Zyklen machen eine besondere Zeitchronik aus. In künstlerisch knapper und verdichteter Form rührt er an, mahnt, rüttelt auf, macht Mut.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Er ist im Zeichenleben Mecklenburg-Vorpommerns „eine ganz wichtige Figur”, urteilt Jo Jastram.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Armin Münch - ein Leben für die Kunst; Kunst für das Leben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wolfgang Grahl&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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