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„Stars auf Rügen” - mit diesem Buch ist dem Autor, Wolfgang Grahl aus Rostock, ein ganz großer Wurf gelungen. Auf 168 Seiten hat er in aufwendiger Puzzlearbeit zahlreiche Fotos und Geschichten prominenter Sänger, Schauspieler, Komponisten und Entertainer aus den „Goldenen Zwanzigern”, die ihren festen Platz auf der größten deutschen Insel hatten, zusammengetragen. Auch die zum Teil von den Nazis missbrauchten Idole finden sich im Reigen der Promis aus frühen Tagen. „Viele von ihnen wurden Stars der Nachkriegszeit und besangen in Liedern und Schlagern eine heile Welt - Balsam für zerstörte und verwundete Seelen”, so der Autor im Vorwort.
Zu den Stars der Showbranche, die sich auf dieser schönen Ostseeinsel tummelten, zählen „Zaubergeiger” Helmut Zacharias, der später, 1956 mit der legendären Interpretation von „Wenn der weiße Flieder wieder blüht” einen seiner größten Welterfolge feiern konnte, die Schlagersängerin Julia Axen mit ihrem Hit „Eine Welt ohne dich” oder „Heute tanzen alle jungen Leute” von Helga Brauer.
Ein Schlager ist wie eine Rose: Einzigartig und vergänglich. Aber diese konservierten Erinnerungen der deutschen Musikgeschichte lassen einzelne Kapitel lebendig werden: Wie die Episode im Sommer 1931, als der Sologeiger Helmut Zacharias im Binzer „Dünenhaus” zum Kaffee ein Konzert gibt. Jahre später musste er für die braune Diktatur den Waffenrock anziehen, desertierte dann kurz vor Kriegsende in einem getarnten Lazarettwagen nach Bayern. Von seiner Frau Hella und Tochter Sylvia, geboren in Binz, konnte der Autor manche Einzelheit erfahren.
Im Abschnitt „Mit Stars in Binz auf du und du” zeichnet Wolfgang Grahl ein dokumentarisches Bild über den berühmten Komponisten Gerhard Winkler („Caprifischer”, 1943) und die Sänger-Stars Magda Hain, Rudi Schuricke und Rudolf Schock. Auch Kurt Reimann sang Winkler-Lieder, bis ihn die Nazis mit Auftrittsverbot belegten. All das konnte der Autor von einigen Zeitzeugen erfahren, wie durch den Kaufmann Helmuth Aßmann (Jahrgang 1923), einen Ur-Binzer. Das wunderschöne Ostseebad Binz kann sogar auf eine Art „Hymne” aus dem Jahre 1937 verweisen: „Die Krone auf Rügen”, in F-Dur, als „Lied und langsamer Walzer”, nach Musik und Text von Otto Kermbach (Kapellmeister) und Paul Wagener. Wolfgang Grahl vermutet, dass beide Schöpfer in weinseliger Stimmung Text und Noten zu Papier gebracht haben. Eine Zeile klingt so: „Ein Bad für den Bürger und Prinz, das ist Binz ...” Ob Heimatschnulze oder Gefühlsausbruch - auch das Inselbad Binz hat, neben Berlin, New York, Rom und Paris, seinen eigenen Song. Zugleich entlarvt der Autor den Unterhaltungssektor in der NS-Zeit als Teil eines gewaltigen perfiden Systems: „Ob sie es wollen oder nicht, ob es ihnen bewusst war oder nicht: Mit Text, Musik, Gesang, mit Witz, Komik und Humor wurden die Menschen in diesen schlimmen Jahren über Tod, Bomben, Lebensmittelrationen und Ostfrontniederlagen hinweggetröstet.”
Nach dem Krieg stiegen auf Rügen neue Kometen auf. Ein schöner Beleg ist die Geschichte des Sängerpaares Sonja Siewert und Herbert Klein. Sie spielten und sangen in den Formationen Barbarino-Bar-Trio und Werner-Schwarz-Combo in Göhren und in Binz. Weitere Stars und Entertainer der Musikszene wirkten im Sommer auf der Insel Rügen, wie die Solistin Bärbel Wachholz, Heinz Quermann, sowie die Orchester Helmut Opel und Fritz Buschner.
Der Autor beleuchtet auch die „Aktion Rose” vom Februar 1953, die in einem staatlichen Willkürakt den Hotelbesitzern und anderen Geschäftsleuten entlang der Ostseeküste das Eigentum und die Freiheit nahm. Was damals genau passierte, verdeutlicht Grahl am Schicksal des Juden und Hoteliers des Kurhauses Binz, Adalbert Bela Kaba-Klein.
„Stars auf Rügen” ist mehr als ein historischer Abriss. Die anschauliche und lebendige Erzählweise des Autors verdient das Prädikat „Ausgezeichnet in Bild und Text”. Dieses Buch über den Rügener Schlagersternenhimmel dürfte besonders die ältere Generation, wie gleichfalls Geschichtsfreunde, aber auch die Wissbegierigen an den Entwicklungen der Unterhaltungskunst, sowie die Fans vergangener Hits und Melodien interessieren. Es beleuchtet die Wege der Stars im Deutschland der Vor- und Kriegszeit, sowie nach 1945 in Ost und West.
Stars auf Rügen, Wolfgang Grahl, (Scheunen-Verlag Kückenshagen)
Paperback 168 S. 16,00 Euro [D] / 16,50 Euro [A] ISBN: 978-3-938398-48-7
Roland Hartig
E-Mail: roland[at]foto-hartig[dot]de
Ersetzen Sie bitte das [at] mit dem @Zeichen und
das [dot] mit dem Punkt auf der Tastatur.
LESERBRIEFE
Das Buch "Stars auf Rügen" von Wolfgang Grahl ist weit mehr als eine Dokumentation oder ein Stück Heimatgeschichte der Insel Rügen. Es ist ein zum Teil tragischer Ausschnitt deutscher Geschichte. Die Darstellung der unterschiedlichsten Lebensschicksale fasziniert den Leser von der ersten Seite an. Vor allem ist dem Autor mit der ihm eigenen Sprache mit diesem Buch ein großer Wurf gelungen, der nicht nur die älteren Leser begeistern wird.
Prof. Dr. med. Ingo Richter
Ehem. Direktor der Univ. Kinder- und Jugendklinik Rostock
Ein Geschichtenbuch mit Seltenheitswert! Mit den „Stars auf Rügen“ ist der Verfasser in eine bisher unbekannte Materie vorgedrungen. Interessant, davon zu erfahren und interessant, es zu lesen. Es ist lobenswert und ein Verdienst für Nachwelt, wenn die Namen von einst nicht verloren gehen. Früher hätte man vielleicht sprichwörtlich gesagt: Da ist "Neuland unterm Pflug". Für mich haben die Geschichten, von denen ich nun erfahren konnte, wirklichen Seltensheitswert.
Karl-Friedrich Schippmann
Herzlichen Dank für das Buch "Stars auf Rügen", in dem ich mit Interesse gelesen habe, sind doch einige der dort dargestellten Musiker, Sängerinnen und Entertainer wie Julia Axen, Helga Brauer, Walter Eichenberg, Helmut Zacharias oder Heinz Quermann auch in unserer Ausstellung "Melodien für Millionen" vertreten. Julia Axen und Walter Eichenberg nahmen auch an der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung, die seit dem 21. November 2008 bereits über 17 000 Besucher gesehen haben, als Gäste teil. Frank Schöbel gestaltete den Eröffnungsabend musikalisch.
Das Buch ist nun im Museumsshop des Hauses zu finden. Ein Exemplar werde ich in die Bibliothek unseres Hauses einstellen.
Prof. Dr. Bernd Lindner
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Gratulation zum Buch „Stars auf Rügen“. Es ist wirklich schön und nicht so schnell wieder aus der Hand gelegt ... zumal ich in der Konzertmuschel Binz auch schon stand mit den „Herren“. Danke für das interessante „Musikbuch“.
Johannes Pistor
Die Herren
Danke für diese aufschlussreiche Chronik. Mit diesem Buch hat uns der Verlag eine große Freude bereitet. Es ist einfach schön, dass jemand den Stars der Zwanziger Jahre und aus der späteren Zeit solch eine aufschlussreiche Chronik gewidmet hat. Da fühlt man sich in die eigene Jugendzeit zurück versetzt. Ich weiß, dass die Insel Rügen schon immer die Badewanne der Berliner war. Allerdings war mir nicht bekannt, dass so viele Künstler dort den Sommer verbrachten. Inzwischen entdecken ja auch immer mehr Urlauber aus dem Westen die Insel mit den wunderschönen Ostseebädern. Haben Sie ganz herzlichen Dank für die „Stars auf Rügen“.
Angret Ansel
Buchvorstellung
Montag, 10. August 2009
Vor der Kakadu-Bar im Binzer Kurhaus 1949. Hotelier Kaba-Klein (rechts) mit Sonja Siewert, Herbert Klein und weiteren Künstlern. Foto: Privatsammlung
Dieses Buch über den Rügener Schlagersternenhimmel dürfte besonders die ältere Generation, wie gleichfalls Geschichtsfreunde, aber auch die Wissbegierigen an den Entwicklungen der Unterhaltungskunst, sowie die Fans vergangener Hits und Melodien interessieren. Es beleuchtet die Wege der Stars im Deutschland der Vor- und Kriegszeit, sowie nach 1945 in Ost und West.
Stars auf Rügen
Wolfgang Grahl
Scheunen-Verlag Kückenshagen
Paperback, 168 S., 16 Euro
ISBN: 978-3-938398-48-7
Stars auf Rügen
Wolfgang Grahl
Die Stars auf Rügen
Helmut Zacharias, Gerhard Winkler, Magda Hain, Rudi Schuricke, Rudolf Schock, Otto Kermbach, Sonja Siewert, Herbert Klein, Helga Brauer, Walter Eichenberg, Julia Axen, Bärbel Wachholz, Helmut Opel, Fritz Buschner und weitere.
Das Buch beleuchtet die Rügener Musikszene im Deutschland der Vor- und Kriegszeit.
Vorgestellt werden auch Begebenheiten nach 1945
in Ost und West.
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